Katholische Kirche St. Bartholomäus zu Herstelle

Zur Geschichte der Pfarrei

Herstelle ist eine Gründung Karls des Großen, der hier im Zuge der Sachsenkriege im Winter 797-798 überwinterte. Die königliche Pfalz mit ihrer Kapelle wurde auf einem Felsen über dem Wesertal errichtet. Hier feierte der Kaiser mit der Geistlichkeit in jenem Jahr Weihnachten und Ostern. Erst durch Chronisten des 11. Jahrhunderts erfahren wir, dass Karl für Herstelle ein Bistum vorgesehen habe (praeordinavit, designavit), dass ferner die Bischöfe von Paderborn zunächst nach ihrer ersten Residenz die Herstellischen genannt worden seien, und endlich, dass man den Bischofssitz nach einiger Zeit von Herstelle nach Paderborn verlegt habe.
Die erste Kirche von Herstelle stand auf der Anhöhe, am Ausgang der jetzigen Klostertreppe, mit dem Pfarrhaus inmitten des Friedhofs, auf dem die Toten von Herstelle und Würgassen bestattet wurden. Die Kirche diente beiden Gemeinden. Auch Haarbrück gehörte über Jahrhunderte zur Pfarrei Herstelle. Nach dem Grundriss der Kirche aus dem Jahre 1663 war sie 66 Fuß lang und 41 Fuß breit auf einer Grundstücksfläche, die in Längsrichtung 60 Schritte und in der Breite 72 Schritte zählte.
Von besonderer, nicht nur lokalhistorischer Bedeutung ist ein Messbuch aus dem 13. Jh., das sich von 1428-1708 im Besitz der Pfarrei befand, im 18./19 Jh. der Gemeinde entfremdet wurde, zunächst nach England kam und sich heute in der Erzbischöflich-Akademischen Bibliothek in Paderborn befindet.
Im Durcheinander des 30-jährigen Krieges plünderten im Oktober 1632 die Hessen die Kirche, raubten die Glocken und verwüsteten alles. Einige Jahre später, im März 1637, wurde Herstelle völlig eingeäschert. Die Kirche war zwar erhalten geblieben, das Uhrwerk von 1561 jedoch beschädigt, so dass eine Reparatur erforderlich wurde, die wahrscheinlich im Jahre 1643 ausgeführt worden ist. Pfarrer um diese Zeit war Andreas Jacobi, der am 26. Juni 1657 in Herstelle verstarb.
Nach seinem Tod überwies Fürstbischof Theodor Adolf von der Recke das verwaiste Pfarrhaus den am 29. Juni 1651 aus Höxter vertriebenen Minoriten, die zuvor u. a. notdürftig auf dem Dachboden der Kirche von Jakobsberg untergebracht worden waren. 12 Patres und 4 Brüder zogen ein. Als Entgelt für die Erteilung des Religionsunterrichtes und die Verwaltung der Pfarrei bekamen sie zum Unterhalt die Pfarreinkünfte zugewiesen.
Durch Neu- und Erweiterungsarbeiten wurde im Laufe  der nächsten Jahrzehnte aus der Enge des kleinen Pfarrhauses das Kloster, in welchem auch nach seiner völligen Aufhebung im Jahre 1824 die Pfarrwohnung bis 1899 blieb, denn im Mai des Jahres erwarb die Gemeinde die Besitzung des Rentners Eduard Kayser an der Kaine als Pfarrhaus. Im selben Jahre ging das ehemalige Minoritenkloster durch Kauf in den Besitz der Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung über (siehe Beitrag: Klosterkirche der Benediktinerinnenabtei).
Der letzte in Herstelle seit 1968 tätige Pfarrer, Werner Apostel, seit 1984 auch für  Würgassen zuständig, verließ mit Erreichen des 75. Lebensjahres am 30. Juni 2006 endgültig die Gemeinde.
Nach kurzer Zugehörigkeit zum Pastoralverbund „Dreiländereck“ gehört die katholische Kirchengemeinde seit 2011 zum „Pastoraler Raum Dreiländereck Beverungen“. Patronatsfest der Gemeinde ist der 24. August, mit Festhochamt und Prozession am folgenden Sonntag.

Das Kirchengebäude

Die alte Bergkirche war um 1700 so baufällig, dass ein Neubau notwendig wurde. Darüber entstand ein Streit zwischen Gemeinde und den Minoritenpatres. Sie wollten den Neubau auf dem alten Platz errichten, die Gemeinde aber bevorzugte einen neuen Standort im Tal. Der Bischof stellte sich auf die Seite der Gemeinde und so wurde die heutige Pfarrkirche im Dorf aufgebaut. Wie der Vorgängerbau wurde sie dem hl. Bartholomäus geweiht. 1710-11 war der Barockbau vollendet und am 9. August 1711 erfolgte nach feierlicher Prozession von der alten Kirche der Einzug in die neue. Sie wurde am 18. Oktober 1721 durch Abt Pantaleon von Abdinghoff, Weihbischof von Paderborn feierlich konsekriert. Über dem Turmportal ist das Wappen des Bischofs Hermann Werner von Wolff-Metternich zu sehen, in dessen Amtszeit der Neubau erfolgte. Die Kirche ist 32 m lang und 13 m breit, die Firsthöhe beträgt 16 m, die Turmhöhe 32 m. Die Inneneinrichtung entstand zum Teil erst später, wie z.B. der Hochaltar Mitte des 19. Jahrhunderts.

In der Amtszeit Pfarrer Apostels wurden von 1968 bis 1970 Renovierungsarbeiten in und an der Kirche in drei Bauabschnitten vollzogen, u.a. wurden Dach, Bänke sowie Glocken der Kirche erneuert. Eine weitere Innenrenovierung erfolgte 2002, eine letzte Außenrenovierung konnte am 5. Dezember 2008 abgeschlossen werden. 2004 erhielt die Gemeinde eine neue Krippe als Geschenk des Pfarrers.

Die Innenausstattung der Kirche

Die Inneneinrichtung ist klassizistisch. Das älteste Ausstattungsstück ist der Taufstein, er stammt noch aus der alten Pfarrkirche auf dem Berg. Renoviert wurde er 1628 durch Anna Fricken unter Pastor Andreas Jacobi, wie die Inschrift besagt. Ebenfalls sehr alt ist die Pieta, die unter dem Turm in einer Wandnische aufgestellt ist. Sie stammt aus dem Frühbarock (1620-80). Aus der Zeit des Spätbarocks stammt eine Kreuzigungsgruppe im Mittelschiff: Astkreuz mit „Assistenzfiguren“ Maria und Johannes (1730-80). Die Entstehungszeit der aus Holz geschnitzten Doppelmadonna mit Kind ist unbekannt. Sie hängt in der Mitte der Kirche von der Decke herab. Dahinter befindet sich der Schifferleuchter, der an die Bedeutung der Schiffer für den Ort erinnert.
Im Kirchenschiff befinden sich mehrere Statuen, beginnend links vorn mit dem hl. Bartholomäus (1870), links hinten: hl. Elisabeth (1700) sowie rechts hinten der hl. Nikolaus (1700). Er gilt als Patron der Schiffer und ist Mitpatron in Herstelle. Rechts vorn befindet sich das Wappen des Fürstbischofs Hermann Werner von Wolff-Metternich. An den Wänden des Kirchenschiffs hängen außerdem die sogenannten Apostelleuchter sowie die erst in jüngster Zeit erworbenen Kreuzwegtafeln. Der Kreuzweg wurde 2000 von Pfarrer Apostel gestiftet.

Die farbigen Fenster gehen zurück auf die Zeit um 1900: Links finden sich von vorn bis hinten folgende Motive: hl. Liborius, Mariä Himmelfahrt und Karl der Große als Gründer von Herstelle, rechts von vorn: hl. Bonifatius, Mitte: Der auferstandene Jesus (um 1900 vom Hersteller Auswanderer und späteren Minenbesitzer Richard A. Riepe aus Ely, Nevada, gestiftet), hinten: hl. Albertus Magnus (Stiftung des Auswanderers Albert Kayser aus Oakland, Kalifornien). In der Mitte des Chors befindet sich der Hochaltar mit den Reliquien des hl. Georg, der hl. Ursula und der hl. Fortunata. Er entstand 1851, das Gemälde des Bürener Malers Laudage zeigt die Kreuzigungsgruppe.
Schließlich befinden sich im Turm drei Glocken: eine große Glocke „F“ mit der Inschrift „St. Bartholomäus, Herstelle, Pfingsten 1972“ (Gewicht 950 kg, Durchmesser 118 cm), eine mittlere Glocke „Gis“ mit der Inschrift „Friede sei mit euch, die Lebenden rufe ich, die Toten geleite ich“ (Gewicht 520 kg, Durchmesser 95 cm, gegossen 1924, im Jahr 1972 gebraucht aus Netze/Waldeck erworben. Mit dieser Glocke erfolgt der Stundenschlag der Turmuhr), schließlich die kleinste Glocke “H“, ihre Inschrift lautet „Gloria in excelsis Deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis“ (1895 gegossen). Es handelt sich um Bronzeglocken, sie sollen eine Lebensdauer von 800 Jahren haben.
(Hans Krieger, OHP Herstelle)