LeGo - Kath. Kirche in Beverungen geht neue Wege

Es war ein Experiment, das sich gelohnt hat:

Am Abend des 16. Juli versammelten sich 25 Menschen im Garten hinter der katholischen Kirche in Beverungen, um einen LeGo zu feiern. LeGo ist eine Abkürzung für den Begriff „Lebensnaher Gottesdienst“. Dieser Begriff soll aber nicht suggerieren, dass der übliche Sonntagsgottesdienst nicht lebensnah ist, sondern er will ausdrücken, dass diese Art von Liturgie anders als gewohnt gefeiert wird. Und was dabei so anders war als sonst am Sonntag in der Messfeier, das haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sofort gespürt:

Kein Priester hat den Gottesdienst geleitet, sondern ein kleines Vorbereitungsteam hatte einen groben Ablauf geplant und diesen als Rahmen zur Verfügung gestellt. Mit Inhalt und Leben gefüllt wurde der Gottesdienst dann durch die Beteiligung aller Anwesenden: durch freie Gebete, durch einen Austausch in kleinen Gesprächsgruppen über die zentrale Bibelstelle, durch stille Momente oder indem sich die Gläubigen den abschließenden Segen gegenseitig zusagten.

Spannend wurde es bei der Auseinandersetzung mit dem biblischen Text. „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch Ruhe verschaffen …“, diese Worte Jesu standen im Mittelpunkt.

Wo erlebe ich mein Leben als belastend und schwer? Mit welcher Sorge oder Mühsal will ich endlich zur Ruhe kommen und Frieden schließen dürfen? Für welche Last brauche ich neue Kraft? – diesen Fragen konnten die Teilnehmer in Ruhe nachgehen.

Als Symbol für die belastenden Ecken, Kanten und Risse im Leben wurde jedem Gottesdienstbesucher ein Stein in die Hand gegeben. Und dann wurde erzählt von einer alten japanischen Reparaturmethode, bei dem ein zerbrochenes Gefäß nicht einfach weggeworfen, sondern mit Kitt wieder zusammengefügt wird. Und die noch sichtbaren Risse und Bruchstellen werden mit Goldstaub verziert. Das reparierte Gefäß wird damit noch kostbarer als es ursprünglich war.

Dieser Impuls lud dazu ein, die Risse und Kanten der Steine mit einem Goldstift nachzumalen und dabei zu überlegen: Welche Risse und Brüche im Leben sind für mich wichtig gewesen, weil sie mich weiter gebracht und vielleicht auch stärker gemacht haben? Und wo sehe ich Risse, die nicht heilen, weil sie zu tief sind?

„Kommt alle zu mir, - ich will euch Ruhe verschaffen.“ – Versehen mit dieser Inschrift, steht seit fast zwei Jahren die Statue eines, segnend die Hände erhobenen Christus an der Außenwand der katholischen Kirche in Beverungen.

Als am Ende des Gottesdienstes die Anwesenden einzeln ihren Stein und damit ihre Sorgen und Mühen in einem stillen Moment an dieser Christus-Figur ablegten, war das schon ein dichter und berührender Augenblick.

Wer nun an der Kirche vorbei in Richtung des Familienzentrums „Die Brücke“ unterwegs ist, kann die Steine mit ihren goldenen Linien und Spuren dort liegen sehen.

Vielleicht ist das ja auch für Sie eine Einladung, am Abend beim Bemalen eines Steines zur Ruhe zu kommen. Wer mag, ist herzlich eingeladen, den golden oder bunt bemalten Stein dazu zu legen und die Reihe der Hoffnungssteine fortzusetzen.

Übrigens: Ein nächster LeGo ist schon fest geplant. Sobald der Termin feststeht, wird er an dieser Stelle bekannt gegeben. Vielleicht sind Sie ja dann auch dabei!?

 

(Text und Foto: Gisela Fritsche)

In Form von Steinen konnten die Gläubigen all das, was sie belastet, an der Christus-Statue ablegen.